Perfektion

1926

Von Schlittschuhen zum Automaten

Den Anfang einer richtigen Fabrik macht ein Automat, der die Ringe herstellt, mit denen die Zugfedern für Uhren gespannt werden. Das ist ein großer Schritt für die junge, kleine Firma, denn mit dem neuen Automaten können Teile hergestellt werden, die in der Uhrenindustrie millionenfach verlangt werden: Für jede Uhrfeder braucht man einen solchen Drahtring. Bisher werden diese in Handarbeit angefertigt. Das ist mühsam; große Stückzahlen sind damit auch nicht möglich. Mit Steinels Automat wird alles anders. Die Maschine arbeitet und produziert Tag und Nacht. 

Das ist gut so, denn die Schwenninger Uhrenindustrie braucht enorme Mengen an Bauteilen für ihre stark wachsende Produktion. Nach den Anfängen aus Handwerksbetrieben Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Uhrenfabrikation zum führenden Industriezweig in der Stadt entwickelt und ist der zentrale Wirtschaftsfaktor für die Region. Die Industrialisierung bringt technische Innovationen in die Uhrmacherkunst; Schwenningen wird so zu einem Zentrum für Präzisionsmechanik und Feinmechanik, was die Entwicklung von Maschinen und Werkzeugen in anderen Branchen fördert. Auch Bernhard Steinel hat einige Jahre in der Uhrenindustrie gearbeitet, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Friedrich Mauthe, Thomas Haller, Schlenker und Kienzle mit ihren großen Uhrenfabriken sind die beherrschenden Betriebe. 

Weiterlesen

Die erste Mehrspindel­bohrmaschine der Welt

Doch langsam wird das Geschäftsklima wieder besser und Steinel konzentriert sich wieder auf den Maschinenbau. Dafür stellt der junge Unternehmer 1927 den ersten Techniker ein. Mit seinem Fachwissen werden die Innovationsschritte immer schneller. Ein sensationeller Erfolg ist ebenfalls 1927 die Entwicklung und Herstellung der weltweit ersten Mehrspindelbohrmaschine. Das ist das Produkt, aus dem im Laufe der Jahre ein komplettes Maschinenbauprogramm entstehen wird. Von Anfang an geht es Schlag auf Schlag: Der ersten Mehrspindelbohrmaschine folgen Vielspindelbohr- und Gewindeschneidmaschinen. Später stellt das kleine Team auch Hammernietmaschinen, Rolliermaschinen und Kurvenfräsapparate her. Auch davon kann Steinel so viel am Markt absetzen, dass der Platz für die immer größeren Produktionsmengen wieder nicht mehr ausreicht. 

Doch die nächste Erweiterung trifft auf eine neue Wirtschaftskrise. Dieses Mal ist es die große Depression von 1929/30, die später Weltwirtschaftskrise heißen wird. Die Leute haben kein Geld, um sich Waren anzuschaffen, die Nachfrage sinkt dramatisch. Von einem Tag zum nächsten stehen wie überall in Deutschland auch in Schwenningen Tausende von Männern und Frauen als Arbeitslose auf der Straße. Viele Betriebe der Uhrenindustrie müssen Kurzarbeit machen, um überhaupt noch bestehen zu können. Nicht so Bernhard Steinel. „Ich habe immer weitergearbeitet“, wird er sich Jahrzehnte später erinnern. Seine Überzeugung, dass nach einer Baisse eine Hausse kommt, habe sich als richtig erwiesen. Denn Steinel ist mit Aufträgen gut versorgt. Sogar mit Russland werden Geschäfte gemacht. Dorthin werden Rollier- und Bohrmaschinen geliefert. Die Nachfrage nach diesen Maschinen ist gut. So gut, dass die Kapazität der vorhandenen Maschinen nicht ausreicht, um alle Aufträge herstellen zu können. Die Lösung: Eine zweite Schicht wird eingeführt – die Maschinen laufen jetzt länger, weil für die Bedienung weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Angesichts der großen Arbeitslosigkeit ist es überhaupt kein Problem, gute Fachleute zu finden. Nach der Krise hat Steinel eine gut eingearbeitete Belegschaft von 15 Mechanikern und drei Lehrlingen. Diese Mannschaft kann die stark steigende Nachfrage der Kunden bedienen. 1930 ist es erneut zu eng in der Produktionsstätte. Steinel kauft das nachbarliche Anwesen, die sogenannte Frick-Fabrik, und beginnt mit dem Bau von Nietmaschinen. 800 bis 900 Maschinen werden pro Jahr produziert und verkauft.

Weiterlesen
1927
1952

Mit technischem Fortschritt immer vorn

Von den Schäden durch die Beschlagnahme von Produktionsmitteln abgesehen, kann Steinel nahtlos die Arbeit fortsetzen und führt das Vorkriegsprogramm weiter: Zunächst in kleinen Stückzahlen verlassen fertige Fräsmaschinen, Mehrspindelmaschinen, Kleinbohrmaschinen, Zapfenrolliermaschinen, Triebpoliermaschinen und Nietmaschinen die Werkshallen. Dabei bleibt es aber nicht: Das im Krieg entwickelte Baukasteneinheiten-Programm wird auch wieder in die Fertigung aufgenommen und weiterentwickelt. Nach kurzer Zeit kann die Firma schon elf Normen mit insgesamt 130 Produkten liefern. Zum Vergleich: Jahrzehnte später sollen es sieben Produktgruppen mit 465 Normen sein, die 25000 Produkte umfassen. Von der kleinsten Führungsbuchse bis zum großen Säulengestell kann Steinel alles anbieten. 

Weiterlesen

Der erste IBM-Computer

„Die Meister erhalten jeden Montag ein gedrucktes Wochenarbeitsprogramm“, schreibt die Lokalzeitung im Dezember 1970. Den jetzt plant der Computer jede Woche den zeitlichen Ablauf von 3000 bis 4000 Arbeitsgängen in der Produktion. So wird festgelegt, in welcher Reihenfolge die 260 verschiedenen Maschinengruppen die Werkstücke bearbeiten sollen. Steinel setzt sich mit dem Einsatz des IBM-Computers einmal mehr an die Spitze. Die Werkzeugmaschinenfabrik ist die erste Firma in der ganzen Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die fast den gesamten Betriebsablauf von einem Computer berechnen lässt. „Ohne den Einsatz einer solchen Datenverarbeitungsanlage gibt es für uns kein Fortkommen mehr“, sagt Firmenchef Bernhard Steinel jun. bei der Vorstellung des Rechners in der IBM-Niederlassung in Villingen. Was der Unternehmer damit meint: Die Anlage sorgt für eine wirtschaftlichere Fertigung, weil die Maschinenauslastung optimal geführt wird. Damit werden auch die Lieferzeiten kürzer und die vereinbarten Termine genau eingehalten. Die viel höhere Wirtschaftlichkeit lässt sich Steinel viel kosten: 30 000 Mark Miete für den Computer überweist das Unternehmen jeden Monat an IBM. Das ist ein stolzer Preis, schließlich verdient ein Arbeiter durchschnittlich nur etwa 1000 Mark im Monat. Doch die hohen Kosten lohnen sich und machen sich durch die höhere Produktivität bezahlt. Der Computer hat noch einen weiteren großen Vorteil: Er wird nicht müde. So arbeitet er am meisten, wenn die Belegschaft schon im Wochenende ist. Ab Freitagabend läuft er auf vollen Touren und verteilt die Aufgaben für die Maschinen in der nächsten Woche. 

1970
1970

Noch höhere Genauigkeit durch CNC-Maschinen

Immer mehr CNC-Maschinen werden eingesetzt. Das sind computergesteuerte Werkzeugmaschinen, mit denen das Material sehr präzise bearbeitet werden kann. Die Herstellung von Bauteilen ist mit hoher Genauigkeit und Wiederholbarkeit möglich. Der große Vorteil gegenüber den manuellen Maschinen ist, dass sie autonom arbeiten und viele Aufgaben ohne menschliches Eingreifen ausführen, sobald das Programm läuft. Durch die Computersteuerung sind die Maschinen äußerst genau und können komplizierte und detaillierte Arbeiten auch bei massenhafter Wiederholung fehlerfrei erledigen. 

Doch bis die ersten Personalcomputer kommen, wird noch viel Zeit vergehen. Der erste PC wird im April 1990 im Vertriebsbüro aufgestellt. Die einzelnen Abteilungen haben feste Zeiten zugeteilt bekommen, in denen sie den Rechner nutzen können. Für die Kommunikation gibt es Fax mit Thermopapier, das über die Rohrpost im Haus ihren Empfänger erreicht. 2001 übernimmt das E-Mail-System, dessen Einführung wegen Sicherheitsbedenken länger gedauert hat. 

Beginn des Anlagenbaus

Mit den vielen und fundierten Erfahrungen der Konstrukteure und Mitarbeiter sieht sich Steinel jetzt bestens gerüstet, um in den Geschäftsbereich Anlagenbau einzusteigen. Dies ist ein großer Schritt in die Zukunft. Denn nun kann das Unternehmen seinen Kunden komplette schlüsselfertige Produktionsanlagen anbieten. Dabei leistet Steinel die gesamte Bandbreite vom Rohmaterial über die Fertigung und Prüfung bis hin zur Montage der Anlage am Einsatzort. Bei diesen komplizierten Problemlösungen setzen die Steinel-Ingenieure ihre eigenen Produkte, aber auch die Maschinen von Fremdfabrikaten ein. Besonders bei der Planung von Anlagen zur Produktion von Rohren, Muffen, Bohrmeiseln und Bohrkronen für die Öl- und Gasförderung hat das Unternehmen ein großes Know-how. Weltweit ist dies gefragt. Mit den CNC-Drehmaschinen, Tieflochbohrmaschinen, Sonderbearbeitungszentren, Montagemaschinen sowie einem vielseitigen Angebot an Prüf- und Messanlagen liefert und installiert Steinel seine Technik in Österreich, Japan, den USA und sogar der Sowjetunion. 

1973
1979

Computer steuert Maschine

Als Hersteller von intelligenten Fertigungssystemen ist Steinel auch ein gefragter Partner für ein wegweisendes Projekt der Firma Zeiss. Die Pilotanlage eines flexiblen Fertigungssystems kann 150 verschiedene Werkstücke bearbeiten. Möglich macht dies die computergesteuerte Anlage mit vier Bearbeitungszentren BZ 20 mit Palettenwechseleinrichtung, Palettenspeicher mit 30 Plätzen, einem Platz zum Be- und Entladen, einem NC-gesteuerten Transportwagen sowie einer Messmaschine. Bei der öffentlichen Inbetriebnahme stößt die Neuheit auf große Beachtung. Im selben Jahr und 1984 liefert Steinel auch ein flexibles Fertigungssystem an die Firma Bosch. Jetzt sind es vier Bearbeitungszentren BZ 20 und vier BZ 25 mit 80 Zweispindelköpfen, die über ein modulares Palettentransportsystem verkettet sind und mit Handlinggeräten be- und entladen werden. Doch das ist nur der Anfang. Viele weitere flexible Fertigungssysteme in ähnlicher Machart werden an bedeutende Unternehmen geliefert. Bei allen Projekten kann Steinel auf die umfangreichen Erfahrungen beim Sondermaschinenbau und der NC-Technologie setzen. Die beiden Bereiche werden für die anspruchsvollen Anforderungen kombiniert. Dadurch können produktivere Bearbeitungszentren hergestellt werden. Dies geschieht mit Mehrspindelbohrköpfen und automatischer Zufuhr von Werkstücken, während die integrierten NC-Einheiten und der automatische Werkzeugwechsel die Sondermaschinen flexibler machen.

Weiterlesen

Die erste Webseite eines deutschen Normalienanbieters

1997 war das Internet für viele deutsche Unternehmen noch ein geheimnisvolles Neuland. Webseiten waren eher eine Seltenheit, und die Vorstellung, dass Firmen ihre Produkte und Dienstleistungen online präsentieren könnten, war alles andere als üblich. Doch während andere noch zögerten, wagte Steinel als erster Normalienanbieter den Schritt ins digitale Zeitalter. 

Die .de-Domain wurde 1986 eingeführt, allerdings war sie bis in die frühen 90er Jahre kaum genutzt. Erst 1995 begannen sich kommerzielle Webseiten zu etablieren,1996 starteten dann bald sehr bekannte Webseiten wie T-Online.de. Im Jahr darauf kamen die ersten Angebote von Banken und Online-Shops und ab 1998 explodierte die Zahl der Webseiten auch in Deutschland, vor allem durch die zunehmende Verbreitung von DSL-Internetanschlüssen. 

Mit dem selbstbewussten Motto „50 Jahre Kompetenz in Qualität – immer einen Schritt voraus“ stellte Steinel schon in der ganz frühen Phase klar, dass Innovation und Weitblick zentrale Werte des Unternehmens sind. Die erste Webseite war, den technischen Möglichkeiten entsprechend, zwar schlicht gestaltet, doch ihr Inhalt war wegweisend. Unter der Überschrift „Unser Verkaufsprogramm für die Stanz- und Umformtechnik“ präsentierte Steinel klar strukturiert sein Angebot: Säulengestelle aus Aluminium und Stahl, Führungselemente, Schneidelemente, Federelemente, Zubehör und Maschinenelemente.

Ein Highlight der Webseite war die Rubrik „Über uns“. Hier vermittelte Steinel nicht nur Informationen sondern vor allem Vertrauen: Ein Komplettprogramm aus einer Hand, konstant hohe Spitzenqualität, ein zentrales Lager mit 25000 Produkten und ein zuverlässiger Lieferservice – all das waren Botschaften, die Steinel als starken Partner positionierten.

Eine eigene Webseite war damals so außergewöhnlich, dass die Lokalzeitung „Neckarquelle“ eine mehrteilige Serie über die wenigen Unternehmen veröffentlichte, die damals bereits im Internet präsent waren. Steinel gehörte zu dieser exklusiven Gruppe von digitalen Vorreitern in Schwenningen. 

In einer Zeit, in der nur etwa 5000 bis 10000 deutsche Webseiten existierten und das Internet vor allem von Universitäten und großen Konzernen, wie BMW und Deutsche Telekom geprägt war, setzte Steinel ein klares Zeichen: Die Zukunft ist digital. Mit einem elektronischen Produktinformationssystem auf CD-ROM, CAD-Verknüpfung und der modernen Software WorldCAT zur Produktrecherche und Bestellabwicklung bewies Steinel nicht nur Mut, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Chancen der digitalen Welt.

Heute, fast drei Jahrzehnte später, ist die Internetpräsenz von Steinel ein zentraler Baustein des Unternehmens. Doch der Pioniergeist von 1997 lebt weiter: Als eines der ersten Unternehmen, das das Potenzial des Internets erkannt hat, bleibt Steinel seiner Linie treu – immer einen Schritt voraus, immer am Puls der Zeit. Ein echtes Beispiel für visionäre Unternehmenskultur.

Weiterlesen
1997
2008

Innovationen und Patente

Die Gewindeformeinheiten unter der Bezeichnung S-Former sind ein gutes Beispiel für das Innovationspotenzial bei Steinel.

Die von den Steinel Tüftlern entwickelten Systeme stellen einen bedeutenden Fortschritt für die Produktivität bei den Kunden dar. Denn damit werden Gewinde direkt im Stanz- und Biegeprozess hergestellt. Im Gegensatz zu den geschnittenen Gewinden wird bei den geformten Gewinden das Metallgefüge verdichtet, was zu einer höheren Festigkeit führt. Außerdem entstehen beim Formen der Gewinde keine Späne und somit keine Verschmutzung im Werkzeug. Damit werden alle erforderlichen Arbeitsgänge in einem Prozess erledigt, was zu einer hohen Produktivitätssteigerung bei maximaler Gewindequalität führt.

Weiterlesen