Firmengeschehen

1925

Start in der Wohnstube

Die Geschichte der Firma Steinel beginnt 1924 in einer Schwenninger Wohnstube. Nach Feierabend von seiner Arbeit als Werkmeister in der Uhrenfabrik Thomas Ernst Haller repariert Bernhard Steinel Fahrräder und kleine Maschinen. Sein Neffe Alfred Jauch hilft ihm als Geselle. Es geht ganz bescheiden los. Während der Arbeiterferien zieht die Werkstatt in einen Bretterschuppen in Nachbars Garten. Zunächst bestehen die Aufträge weiterhin aus Reparaturen. Die Mechaniker machen Drehautomaten und Motoren wieder funktionsfähig; im Winter schleifen sie sogar die Kufen von Schlittschuhen. Das passt, denn Eishockey ist zu der Zeit in Schwenningen eine aufstrebende Sportart. Der Schwimm- und Eislaufclub wird gegründet, weil vier junge Leute im Dürrheimer Salinensee ertrunken sind. Der neue Club will dafür sorgen, dass Schwimmen und Eislaufen sicherer werden und begründet damit eine große Tradition. Der heutige SERC stellt mit der Profimannschaft Wild Wings in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) das hochkarätigste Sportteam in der Region. 

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Von Schlittschuhen zum Automaten

Den Anfang einer richtigen Fabrik macht ein Automat, der die Ringe herstellt, mit denen die Zugfedern für Uhren gespannt werden. Das ist ein großer Schritt für die junge, kleine Firma, denn mit dem neuen Automaten können Teile hergestellt werden, die in der Uhrenindustrie millionenfach verlangt werden: Für jede Uhrfeder braucht man einen solchen Drahtring. Bisher werden diese in Handarbeit angefertigt. Das ist mühsam; große Stückzahlen sind damit auch nicht möglich. Mit Steinels Automat wird alles anders. Die Maschine arbeitet und produziert Tag und Nacht. 

Das ist gut so, denn die Schwenninger Uhrenindustrie braucht enorme Mengen an Bauteilen für ihre stark wachsende Produktion. Nach den Anfängen aus Handwerksbetrieben Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Uhrenfabrikation zum führenden Industriezweig in der Stadt entwickelt und ist der zentrale Wirtschaftsfaktor für die Region. Die Industrialisierung bringt technische Innovationen in die Uhrmacherkunst; Schwenningen wird so zu einem Zentrum für Präzisionsmechanik und Feinmechanik, was die Entwicklung von Maschinen und Werkzeugen in anderen Branchen fördert. Auch Bernhard Steinel hat einige Jahre in der Uhrenindustrie gearbeitet, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Friedrich Mauthe, Thomas Haller, Schlenker und Kienzle mit ihren großen Uhrenfabriken sind die beherrschenden Betriebe. 

Um die Jahrhundertwende sind schon weit über 1500 Personen allein in den Werken in Schwenningen beschäftigt. Hinzu kommen noch einmal so viele Heimarbeiter. Der Einsatz der sogenannten Hausindustriellen hat Vorteile für beide Seiten: Die als Selbstständige geführten Beschäftigten können sich den mühsamen und langen Weg von ihren Höfen und Häusern in die Stadt sparen, und die Unternehmer haben Arbeitskräfte, deren Kapazitäten sie in Zeiten schwächerer Nachfrage ganz einfach stilllegen können, um sie dann zu aktivieren, wenn das Geschäft besser wieder wird. Hinzu kommen weitere Vorteile, vor allem auf der Kostenseite: Der selbständige Hausindustrielle arbeitet mit eigenen Maschinen und bekommt dafür weniger Lohn als der feste Fabrikarbeiter. So kann ein Heimarbeiter bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf bis 14 Stunden etwa 15 bis 18 Mark in der Woche verdienen. 

Im gewissen Sinne ist auch der junge Unternehmer Steinel ein Hausindustrieller. Denn sein Geschäft läuft gut, wenn die Uhrenindustrie gut läuft. Mit seinem Automaten kann er die große Nachfrage der Uhrenfabrikanten erfüllen und sichert sich damit ein regelmäßiges Einkommen. Der nimmermüde Automat ermöglicht dem Selbstständigen schon einen bescheidenen Lebensunterhalt.

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1926
1926

Der erste Erweiterungsbau

Doch auf dem ersten Erfolg will sich Bernhard Steinel nicht ausruhen: Er fängt nebenbei mit dem Bau von Maschinen an. Kleine, einfache Schleifböcke sind ein Produkt, das sehr schnell in größerer Stückzahl aus der Werkstatt in der Sturmbühlstraße an die Kunden geliefert wird. 16 Mark verlangt der Unternehmer für jedes Exemplar. Das ist es den Abnehmern offenbar wert, denn die Nachfrage ist groß, und die kleine Stube wird für die stetig steigenden Produktionsmengen zu eng. Schon ein Jahr nach der Unternehmensgründung muss Steinel erweitern und baut eine Werkstatt in seinen Garten hinter dem Haus. Acht mal acht Meter beträgt der Grundriss des ersten Fabrikgebäudes, das der Unternehmer baut. Doch kaum steht das neue Gebäude, da ändert sich die wirtschaftliche Lage. Das junge Unternehmen muss seine erste Krise durchstehen und hält sich mit dem über Wasser, was der Ursprung des Betriebs war: Reparaturen.

Die erste Mehrspindel­bohrmaschine der Welt

Doch langsam wird das Geschäftsklima wieder besser und Steinel konzentriert sich wieder auf den Maschinenbau. Dafür stellt der junge Unternehmer 1927 den ersten Techniker ein. Mit seinem Fachwissen werden die Innovationsschritte immer schneller. Ein sensationeller Erfolg ist ebenfalls 1927 die Entwicklung und Herstellung der weltweit ersten Mehrspindelbohrmaschine. Das ist das Produkt, aus dem im Laufe der Jahre ein komplettes Maschinenbauprogramm entstehen wird. Von Anfang an geht es Schlag auf Schlag: Der ersten Mehrspindelbohrmaschine folgen Vielspindelbohr- und Gewindeschneidmaschinen. Später stellt das kleine Team auch Hammernietmaschinen, Rolliermaschinen und Kurvenfräsapparate her. Auch davon kann Steinel so viel am Markt absetzen, dass der Platz für die immer größeren Produktionsmengen wieder nicht mehr ausreicht. 

Doch die nächste Erweiterung trifft auf eine neue Wirtschaftskrise. Dieses Mal ist es die große Depression von 1929/30, die später Weltwirtschaftskrise heißen wird. Die Leute haben kein Geld, um sich Waren anzuschaffen, die Nachfrage sinkt dramatisch. Von einem Tag zum nächsten stehen wie überall in Deutschland auch in Schwenningen Tausende von Männern und Frauen als Arbeitslose auf der Straße. Viele Betriebe der Uhrenindustrie müssen Kurzarbeit machen, um überhaupt noch bestehen zu können. Nicht so Bernhard Steinel. „Ich habe immer weitergearbeitet“, wird er sich Jahrzehnte später erinnern. Seine Überzeugung, dass nach einer Baisse eine Hausse kommt, habe sich als richtig erwiesen. Denn Steinel ist mit Aufträgen gut versorgt. Sogar mit Russland werden Geschäfte gemacht. Dorthin werden Rollier- und Bohrmaschinen geliefert. Die Nachfrage nach diesen Maschinen ist gut. So gut, dass die Kapazität der vorhandenen Maschinen nicht ausreicht, um alle Aufträge herstellen zu können. Die Lösung: Eine zweite Schicht wird eingeführt – die Maschinen laufen jetzt länger, weil für die Bedienung weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Angesichts der großen Arbeitslosigkeit ist es überhaupt kein Problem, gute Fachleute zu finden. Nach der Krise hat Steinel eine gut eingearbeitete Belegschaft von 15 Mechanikern und drei Lehrlingen. Diese Mannschaft kann die stark steigende Nachfrage der Kunden bedienen. 1930 ist es erneut zu eng in der Produktionsstätte. Steinel kauft das nachbarliche Anwesen, die sogenannte Frick-Fabrik, und beginnt mit dem Bau von Nietmaschinen. 800 bis 900 Maschinen werden pro Jahr produziert und verkauft.

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1927
1934

Starker Partner für den Vertrieb

Steinel erweitert ständig das Produktionsprogramm und geht von der Einzelfertigung zur Serienfertigung über. Das so ausgedehnte Geschäft braucht einen Partner, der sich um den Verkauf kümmert. Die Stuttgarter Firma Hahn & Kolb erweist sich als idealer Mitspieler, dem der Absatz der Steinel-Erzeugnisse übertragen wird. Die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar und die Stuttgarter Vertriebsleute bekommen hervorragende Technik, die sie bei ihren Kunden gut verkaufen können. Eine selbstständige Konstruktionsabteilung wird eingerichtet. Auch die internen Abläufe werden immer mehr auf die Ansprüche eines Industrieunternehmens umgestellt. Bisher hat Firmenchef Bernhard Steinel mit Unterstützung seiner Töchter neben seinen Aufgaben bei der Konstruktion und in der Werkstatt den kaufmännischen Bereich miterledigt. Der Betrieb bekommt auch einen Betriebsleiter, und zwei bewährte Mitarbeiter werden zu Meistern ernannt. Unterdessen steht auch die technische Entwicklung nicht still. Ab 1934 entwickelt Steinel drei verschiedene Typen von Fräsmaschinen und stellt sie in Serie her. Mit ihrer Qualität werden die Steinel-Fräsmaschinen in der ganzen Welt ein Begriff. 

Volle Auftragsbücher, hohe Investitionen

Ab jetzt geht es steil aufwärts. Der Konjunkturmotor brummt unermüdlich, die Belegschaft bei Steinel wächst und wächst. Im Jahr 1937 zählt das Unternehmen schon 200 Beschäftigte, für die in den bisher immer wieder erweiterten Räumen der Platz nicht mehr ausreicht. Steinel kauft in der Winkelstraße das Gebäude der früheren Zählerfabrik Isaria. Das ist der entscheidende Schritt zu einer mittelgroßen Maschinenfabrik. Die erste Angst, dass man sich mit den großen Räumen übernommen habe, erweist sich als unbegründet. Denn die Hausse ist in vollem Gang, die Auftragsbücher sind voll und die hohen Investitionen in die weitläufigen Fabriksäle von Isaria sind in dieser guten Lage goldrichtig.

1937
1937

Zu Kriegsbeginn schon 300 Mitarbeiter

Das soll die nächsten Jahre so bleiben. Mit dem ersten Langdrehautomaten wird 1937 das Produktionsprogramm in einem wichtigen Bereich erweitert, und dazu braucht man viel Platz in den Produktionshallen. 1939 entwickeln und bauen bei Steinel bereits über 300 Mitarbeiter Sondermaschinen. 243 männliche Arbeiter, 21 männliche und 13 weibliche Angestellte, sowie 31 Jungen und ein Mädchen als Lehrlinge sind die Gesamtbelegschaft. In dieser Zeit muss das Unternehmen auf Anordnung der Behörden zum bestehenden Programm auch Baukasteneinheiten für Sondermaschinen herstellen. Ein zukunftsträchtiger Schritt, wie sich später zeigen wird. Denn in den folgenden Jahrzehnten ist dieser Fertigungszweig eine der tragenden Säulen des Unternehmens. Das Geschäft kennt nur eine Richtung: nach oben. Der Zweite Weltkrieg bringt große Aufträge. Das Fertigungsprogramm umfasst Fräsmaschinen, Mehrspindelmaschinen, die Kleinbohrmaschine P2, Zapfenrolliermaschinen, Triebpoliermaschinen, Nietpoliermaschinen und Langdrehautomaten. Steinel muss das liefern, was in dieser schlimmen Zeit gebraucht wird. Wie alle anderen deutschen Unternehmen wird auch Steinel in die Kriegswirtschaft integriert und produziert Präzisionsteile und andere Komponenten für die Kriegsmaschinerie. 

Demontage und Neuanfang

Der Bedarf ist größer als überhaupt produziert werden kann. Zum Kriegsende hat das Unternehmen 450 Beschäftigte, für die jetzt aber schwere Zeiten beginnen. Die französische Besatzungsmacht demontiert etwa 300 Maschinen und die Einrichtung der Fabrik. Zwischen 65 und 80 Prozent der Produktionskapazitäten werden abgebaut und weggeschafft. Die Sieger beschlagnahmen hochwertige Werkzeuge und Prüfgeräte. Der Verlust beträgt 1,4 Millionen Reichsmark. Als die Demontage schließlich endet, ist nur noch ein Maschinenpark übrig, mit dem Steinel 30 bis 40 Mitarbeiter mit Reparaturen beschäftigen kann. Nur mit viel „Schmiererei“, wie Steinel sagt, kann noch größerer Schaden für das Unternehmen verhindert werden.

Das Unternehmen liegt am Boden, doch Bernhard Steinel erkennt seine Chance. Getreu seinem Motto, wenn es unten ist, geht es auch wieder hoch, beginnt er mit dem Wiederaufbau. Das Fachwissen und die technischen Fähigkeiten des verbliebenen Stamms der Mitarbeiter sind ja noch vorhanden. Der Unternehmer nutzt in den schweren Jahren nach dem Krieg seine Kontakte, beschafft gebrauchte Maschinen aus Unternehmen, die nicht so stark demontiert sind und erkennt mit Weitsicht, dass die Nachfrage nach seinen Produkten zwangsläufig steigen muss. Denn der Neustart der Industrie in Deutschland ist ohne den Werkzeugbau nicht denkbar. Steinel zieht aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse und setzt auf die Produktion von Normalien, also standardisierten Teilen für den Werkzeugbau. Schon 1948 beginnt die Serienproduktion von Säulenführungsgestellen, und bald kommen weitere Produkte hinzu. Dies wird in der Unternehmensgeschichte auch als Gründungsjahr von Steinel Normalien geführt. 

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1948
1948

Die ersten Steinel Normalien

Nach dem Krieg setzt Bernhard Steinel auf Normalien für den Werkzeugbau. Die Vorarbeiten dazu hat bereits in den 1930er-Jahren die Zeiss-Ikon AG in Dresden geleistet. Sie war das erste Unternehmen, das Stanzwerkzeuge standardisierte und genormte Werkzeugelemente auf den Markt brachte. Weil die neuen Machthaber das Zeiss-Werk in Dresden verstaatlichen, ist es für die Besitzer verloren. Der in den Westen nach Stuttgart übersiedelte Teil von Zeiss-Ikon entschließt sich in dieser Situation zu einer weiteren engen Kooperation mit dem bisherigen Vertriebspartner Sustan des Frankfurter Geschäftsmanns Hanns Fickert, der jetzt nicht mehr nur Maschinenteile und Werkzeuge von mehreren Herstellern verkauft, sondern auch selbst mit der Produktion von Normalien beginnt. In Zusammenarbeit mit Steinel werden Stanzwerkzeug-Normalien hergestellt. Die Zeichen stehen von Anfang an auf Wachstum. Schon nach kurzer Zeit kommen Formwerkzeug-Normalien ins Produktionsprogramm, das dann bald darauf durch Werkzeuge und Normalien für die spanende Fertigung erweitert wird. Die Arbeitsteilung läuft ab 1950 bestens: Steinel produziert und die Frankfurter machen den Vertrieb. Doch im Jahr 1974 ist Sustan wirtschaftlich am Ende. Das Unternehmen muss Konkurs anmelden. Da übernimmt Steinel den Vertrieb seiner Produkte selbst, das Programm wird ständig weiterentwickelt und immer mehr verfeinert. 

Mit technischem Fortschritt immer vorn

Von den Schäden durch die Beschlagnahme von Produktionsmitteln abgesehen, kann Steinel nahtlos die Arbeit fortsetzen und führt das Vorkriegsprogramm weiter: Zunächst in kleinen Stückzahlen verlassen fertige Fräsmaschinen, Mehrspindelmaschinen, Kleinbohrmaschinen, Zapfenrolliermaschinen, Triebpoliermaschinen und Nietmaschinen die Werkshallen. Dabei bleibt es aber nicht: Das im Krieg entwickelte Baukasteneinheiten-Programm wird auch wieder in die Fertigung aufgenommen und weiterentwickelt. Nach kurzer Zeit kann die Firma schon elf Normen mit insgesamt 130 Produkten liefern. Zum Vergleich: Jahrzehnte später sollen es sieben Produktgruppen mit 465 Normen sein, die 25000 Produkte umfassen. Von der kleinsten Führungsbuchse bis zum großen Säulengestell kann Steinel alles anbieten. 

Schon 1952 ist das Schlimmste überstanden, und die weitere Entwicklung geht rasant voran. Die Angebotspalette für die Kunden wächst, denn der Firmengründer hat immer neue Ideen. Jede neue Aufgabe sieht er als eine Herausforderung, und der technische Fortschritt ist seine Triebfeder. Durch neue Maschinen kann die Produktion ständig verbessert werden. So gelingt es dem Unternehmer sich technologisch an die Spitze zu setzen. Die Kultur der besseren Technik wird zum Markenzeichen der Firma Steinel. Der Erfolg kommt davon, dass die verantwortlichen Leute im Unternehmen die Marktentwicklung vorausahnen und entsprechend schneller und präziser die Nachfrage der Kunden bedienen können. 

In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre findet auch eine große räumliche Expansion der Produktionsanlagen statt. Das Unternehmen kann direkt bei der bisherigen Fabrik weitere Gebäude kaufen. Dadurch entsteht in wenigen Jahren ein ansehnlicher Industriekomplex. Die Mitarbeiterzahlen wachsen entsprechend mit. Im Jahr 1955 zählt das Unternehmen schon 600 Beschäftigte, die mit ihrer Arbeit bemerkenswerte Stückzahlen schaffen: 1956 wird die 4000. Fräsmaschine vom Typ SH4 ausgeliefert. Mit dem Bau eines vierstöckigen Gebäudes für die Montage und Konstruktion ist die bauliche Erweiterung 1961 vorläufig abgeschlossen.

Weniger als 40 Jahre nach der Gründung ist Steinel zu einer Firma von Weltgeltung geworden. Aus einer kleinen Werkstatt hat Bernhard Steinel ein in der Maschinenbaubranche führendes Unternehmen geschaffen. Doch der nimmermüde Unternehmer kann seinen Erfolg nicht lange genießen: 1962 stirbt der Firmengründer mit 75 Jahren nach einer kurzen Krankheit.

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1952
1962

Zweite Generation übernimmt die Geschäftsführung

Sein Sohn Bernhard A. Steinel übernimmt die Geschäftsführung und setzt den erfolgreichen Weg fort. Der neue Firmenchef treibt die in den Jahren zuvor begonnene organisatorische und technische Modernisierung mit großer Energie voran. Immer die modernsten Fertigungsmittel werden angeschafft, so wird die Umstrukturierung vom Meisterbetrieb zum leistungsfähigen Industrieunternehmen in kurzer Zeit vollzogen. 

Sehr viel Wert wird auf die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften gelegt. Seit 1938 betreibt die Firma dazu eine eigene Lehrwerkstätte, wo hauptberufliche Ausbilder die jungen Leute für ihre spätere Tätigkeit unterrichten. Schon nach vier Jahrzehnten haben insgesamt 1350 Menschen diese Ausbildung durchlaufen. 1984 spricht der Bundespräsident der Firma für ihre herausragenden Leistungen bei der Berufsausbildung seine besondere Anerkennung aus. Die gut ausgebildeten Fachkräfte mit ihrem fundierten Wissen sind für Steinel ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg.

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Digitalisierung und Weiterbildung der Mitarbeiter

Ohne Computer geht schon bald gar nichts mehr im Unternehmen. Um die wachsenden Anforderungen zu erfüllen, wird auch Rechnerkapazität bei der Schwenninger Volksbank gemietet. Am Freitag arbeiten die Bankcomputer für Steinel. Die Programmierung per Lochkarten ist der Stand der Technik. Schließlich baut die Firma eine eigene Datenverarbeitung auf, doch dafür müssen die Mitarbeiter erst geschult werden. So kommt es, dass Steinel-Angestellte quer durch die Republik geschickt werden, um die Schulbank zu drücken. Wieder zurück im Büro sind sie an den Computern tätig und produzieren dort auch große Stapel an Papier. Alles, was der Rechner ausspuckt, wird auf Endlospapier gedruckt. Rund 18 Paletten davon werden jedes Jahr verbraucht. 

1970
1970

Noch höhere Genauigkeit durch CNC-Maschinen

Immer mehr CNC-Maschinen werden eingesetzt. Das sind computergesteuerte Werkzeugmaschinen, mit denen das Material sehr präzise bearbeitet werden kann. Die Herstellung von Bauteilen ist mit hoher Genauigkeit und Wiederholbarkeit möglich. Der große Vorteil gegenüber den manuellen Maschinen ist, dass sie autonom arbeiten und viele Aufgaben ohne menschliches Eingreifen ausführen, sobald das Programm läuft. Durch die Computersteuerung sind die Maschinen äußerst genau und können komplizierte und detaillierte Arbeiten auch bei massenhafter Wiederholung fehlerfrei erledigen. 

Doch bis die ersten Personalcomputer kommen, wird noch viel Zeit vergehen. Der erste PC wird im April 1990 im Vertriebsbüro aufgestellt. Die einzelnen Abteilungen haben feste Zeiten zugeteilt bekommen, in denen sie den Rechner nutzen können. Für die Kommunikation gibt es Fax mit Thermopapier, das über die Rohrpost im Haus ihren Empfänger erreicht. 2001 übernimmt das E-Mail-System, dessen Einführung wegen Sicherheitsbedenken länger gedauert hat. 

In vielen Branchen gefragt

Die Sondermaschinen von Steinel sind in vielen Branchen gefragt. Vor allem in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern, im Maschinenbau, bei der Herstellung von Apparaten und Armaturen, aber auch in der Industrie für Feinmechanik, Elektrotechnik und Optik sind Steinel-Maschinen im Einsatz. Die Beliebtheit der Produkte zeigt sich natürlich auch in den stetig wachsenden Stückzahlen fertiger Produkte, die das Werk verlassen. So kann die Firma Anfang der 1980er-Jahre mit Stolz vermelden, dass bereits über 7500 Sondermaschinen entwickelt, produziert und verkauft wurden. Ganz eng mit dem Sondermaschinenprogramm ist ein anderer Fertigungszweig verknüpft: die Produktion von Mehrspindelbohr- und Gewindebohrmaschinen, die parallel mit dem erfolgreichen Sondermaschinenprogramm wächst. Auch in diesem Bereich kann Steinel mit seinem bewährten Baukastensystem punkten. Besonders zeigt sich dies an der Effizienz des Prinzips der Gelenkbohrspindel: Damit können nahezu beliebig Bohrbilder geschaffen und ebenso problemlos wieder verändert werden. 

Ein Schlüsseljahr in der Firmengeschichte ist 1975. Zum Jubiläum des 50-jährigen Bestehens zählt das Unternehmen 1000 Mitarbeiter. Das Produktionsprogramm umfasst zwei Aufgabenfelder: den Bereich Werkzeugmaschinenbau, wo Sondermaschinen, NC-Maschinen, Mehrspindelmaschinen, Nietmaschinen sowie Fräs- und Bohrmaschinen gefertigt werden und den Bereich Normalien für den Werkzeug- und Vorrichtungsbau. Säulengestelle, Führungselemente, Schneidelemente, Federelemente und Zubehör werden hier produziert und vertrieben. Die bisher erreichten Stückzahlen sind imposant und zeugen vom Unternehmenserfolg. Seit Kriegsende hat Steinel im Jubiläumsjahr rund 8000 Einheiten und 59000 Werkzeugmaschinen produziert. Darunter sind 7000 Sondermaschinen und 19500 Fräsmaschinen. Dazu kommen noch 150 moderne NC-Maschinen, die in den letzten zehn Jahren hergestellt wurden. 

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1973
1973

Beginn des Anlagenbaus

Mit den vielen und fundierten Erfahrungen der Konstrukteure und Mitarbeiter sieht sich Steinel jetzt bestens gerüstet, um in den Geschäftsbereich Anlagenbau einzusteigen. Dies ist ein großer Schritt in die Zukunft. Denn nun kann das Unternehmen seinen Kunden komplette schlüsselfertige Produktionsanlagen anbieten. Dabei leistet Steinel die gesamte Bandbreite vom Rohmaterial über die Fertigung und Prüfung bis hin zur Montage der Anlage am Einsatzort. Bei diesen komplizierten Problemlösungen setzen die Steinel-Ingenieure ihre eigenen Produkte, aber auch die Maschinen von Fremdfabrikaten ein. Besonders bei der Planung von Anlagen zur Produktion von Rohren, Muffen, Bohrmeiseln und Bohrkronen für die Öl- und Gasförderung hat das Unternehmen ein großes Know-how. Weltweit ist dies gefragt. Mit den CNC-Drehmaschinen, Tieflochbohrmaschinen, Sonderbearbeitungszentren, Montagemaschinen sowie einem vielseitigen Angebot an Prüf- und Messanlagen liefert und installiert Steinel seine Technik in Österreich, Japan, den USA und sogar der Sowjetunion. 

Ein großer Wachstumsmarkt

Der Geschäftsbereich Anlagenbau erweist sich als großer Wachstumsmarkt, und die Firma setzt viel geistige Kraft ein, um bei der Problemlösung den Kunden den optimalen Nutzen zu bieten. Schon früh erkennen die Fachleute bei Steinel auch die Bedeutung von numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen. Bereits 1964 stellt das Unternehmen die erste NC-Maschine auf der Hannover Messe vor. Die Bohr- und Fräsmaschine mit der Bezeichnung FH 6 ist erst ein Anfang. Schon 1970 folgt das erste Bearbeitungszentrum von Steinel. Das BZT 40 ist eine größere Anlage mit NC-Rundtisch, Werkzeugmagazin mit 40 Plätzen, einer Einrichtung zum Wechsel von Werkzeugen und Paletten sowie einer Codiereinrichtung für Werkstücke. Technisch gesehen ist die Anlage der Zeit voraus. Auch noch Jahre später kann das Bearbeitungszentrum den seinerzeit auf dem Markt angebotenen Modellen durchaus standhalten. Die Entwicklung von Bearbeitungszentren behält auch künftig bei Steinel seinen hohen Stellenwert und wird weiter vorangetrieben. 1973 kommen das BZ 30 und die Revolverbohrmaschine RBA 2 auf den Markt. Das BZ 30 erweist sich als Verkaufsschlager: In nur vier Jahren werden davon 100 Stück produziert und abgesetzt. Damit ist es das meistverkaufte Bearbeitungszentrum seiner Klasse.

1973
1977

Kleiner, aber größere Leistung

Ein ganz großer Wurf gelingt dem Unternehmen dann im Jahr 1977: Steinel stellt das BZ 20 vor – ein komplettes Bearbeitungszentrum, mit dem kleine Werkstücke gefertigt werden können, die in der Bearbeitung aber zeitintensiv sind. Das ist ein wichtiger Erfolg, denn gerade solche Werkstücke konnten bisher nicht mit der nötigen Effektivität auf Bearbeitungszentren produziert werden, weil die eingesetzten Anlagen zu groß, zu unbeweglich und damit unwirtschaftlich sind. Die Steinel-Entwicklung ändert dies gründlich. In der Maschinenbauindustrie, im Fahrzeugbau und auch für die Produzenten von optischen Geräten, Feinmechanik und Elektronik bringt die neue Maschine Einsparungen bei Durchlauf- und Fertigungszeiten in einer Größenordnung, wie sie bisher nicht vorstellbar waren. Der große Vorteil der NC-Technik ist, dass damit die Anlagen viel kleiner und dennoch viel leistungsfähiger werden. Das BZ 20 ist auch bei Betrieben im Einsatz, für die bisher die großen Bearbeitungszentren zu teuer waren. 

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Computer steuert Maschine

Als Hersteller von intelligenten Fertigungssystemen ist Steinel auch ein gefragter Partner für ein wegweisendes Projekt der Firma Zeiss. Die Pilotanlage eines flexiblen Fertigungssystems kann 150 verschiedene Werkstücke bearbeiten. Möglich macht dies die computergesteuerte Anlage mit vier Bearbeitungszentren BZ 20 mit Palettenwechseleinrichtung, Palettenspeicher mit 30 Plätzen, einem Platz zum Be- und Entladen, einem NC-gesteuerten Transportwagen sowie einer Messmaschine. Bei der öffentlichen Inbetriebnahme stößt die Neuheit auf große Beachtung. Im selben Jahr und 1984 liefert Steinel auch ein flexibles Fertigungssystem an die Firma Bosch. Jetzt sind es vier Bearbeitungszentren BZ 20 und vier BZ 25 mit 80 Zweispindelköpfen, die über ein modulares Palettentransportsystem verkettet sind und mit Handlinggeräten be- und entladen werden. Doch das ist nur der Anfang. Viele weitere flexible Fertigungssysteme in ähnlicher Machart werden an bedeutende Unternehmen geliefert. Bei allen Projekten kann Steinel auf die umfangreichen Erfahrungen beim Sondermaschinenbau und der NC-Technologie setzen. Die beiden Bereiche werden für die anspruchsvollen Anforderungen kombiniert. Dadurch können produktivere Bearbeitungszentren hergestellt werden. Dies geschieht mit Mehrspindelbohrköpfen und automatischer Zufuhr von Werkstücken, während die integrierten NC-Einheiten und der automatische Werkzeugwechsel die Sondermaschinen flexibler machen.

Zur gleichen Zeit beginnt auch die Lieferung von flexiblen Fertigungslinien, die aus den bewährten Standardeinheiten und den neu entwickelten Einheiten aus dem NC-Baukasten zusammengesetzt werden. Ein gutes Beispiel für diese fortschrittliche Lösung ist die CNC-Bearbeitungseinheit BZE 200, wo sich alle drei Achsen in einem Werkzeug befinden und damit ideal in Rundtaktmaschinen und Transferlinien integriert werden können. Der Computer gehört nun dazu. Die Anlagen sind mit Werkzeugüberwachungseinrichtungen, Fehlerdiagnose und Bildschirm ausgerüstet, teilweise auch schon an übergeordnete Fertigungsrechner angeschlossen.

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1979
1981

Gründung der Steinel Normalien GmbH

Im Jahr 1981 dann kommt die große Zäsur: Am 11. September wird die Steinel Normalien GmbH gegründet, und der bisherige Fertigungszweig als eine wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Firma ins Handelsregister eingetragen. Die Geschäftsführer sind Bernhard A. Steinel und Günter Schneider; Joachim Mayer und Helmut Timm werden mit Prokura ausgestattet. Das Stammkapital von fast vier Millionen Mark kommt aus dem Verkauf der bisherigen Werkswohnungen, die die Steinel Wohnungsbau GmbH in den 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre in der Brühlstraße und der Rottweiler Straße errichtet hat. Das war angesichts der Wohnungsknappheit in den Jahren nach dem Krieg eine wichtige soziale Tat für die Mitarbeiter. Doch um 1980 stellt sich die Lage völlig anders dar: An Mietwohnungen herrscht kein Mangel, und überhaupt wohnen in den Steinel-Häusern mittlerweile kaum noch Betriebsangehörige sondern fremde Mieter. Da entschließen sich die Eigentümer zum Verkauf der Immobilien an die Südgrund GmbH aus Stuttgart und schaffen so eine starke Startposition für die Steinel Normalien GmbH, die ihre vorhandenen Normalien-Vorräte an Fertigprodukten an die Werkzeugmaschinenfabrik verkauft. 

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Neue Fertigungshalle für die Werkzeugmaschinenfabrik

Angesichts dieser Herausforderungen entscheidet sich Steinel, eine neue, moderne Fertigungshalle im Industriegebiet Ost am Flugplatz zu errichten. 1981 ist das neue Werk A in der Albertistraße fertiggestellt, dem noch Erweiterungen folgen. In ihrer letzten Ausbaustufe erreichen die neuen Gebäude mit Montagehalle, Hochregallager und Bürogebäude für produktionsnahe Abteilungen eine Fläche von 42 000 Quadratmetern. Mit Krananlagen für Traglasten von bis zu 32 Tonnen hat das Unternehmen jetzt ideale Produktionsbedingungen auch für die Herstellung seiner schweren Maschinen. Für die Verbindung der beiden Produktionsstandorte Winkelstraße und Albertistraße fährt ein Shuttlebus, der die Mitarbeiter zu ihren Einsatzstellen transportiert. Der weckt bei heutigen Beschäftigten ebenso nostalgische Erinnerungen wie der Pförtner am Werkstor in der Winkelstraße, der damals aufmerksam kontrolliert, dass keine Unbefugten das Fabrikareal betreten. Und wer drin ist, muss sich an die Anordnungen halten: Der Mitarbeiter an der Pforte achtet darauf, dass die Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometer auf dem Werkshof eingehalten wird. Was mitunter zu sehr heftigen Diskussionen führt, die selbstverständlich immer der Pförtner argumentativ für sich entscheidet, wie sich altgediente Steinelaner schmunzelnd erinnern. 

1981
1983

Herausforderungen der 1980er-Jahre

Doch in den 1980er-Jahren gibt es bald ganz andere Sorgen als die Verkehrsordnung auf dem Werksgelände: Die Situation am Markt für Werkzeugmaschinen wird schwieriger. Trotz der verbesserten Infrastruktur gerät das Unternehmen in den 1980er-Jahren unter wirtschaftlichen Druck. Der Maschinenbau steht vor großen Herausforderungen, unter anderem durch die starke Konkurrenz von deutschen Herstellern wie Gildemeister in Bielefeld und Maho im bayerischen Pfronten, die beide sehr erfolgreich im Maschinenbau tätig sind. Zusätzlich belastet die Vorfinanzierung der teuren Maschinen, deren Kosten oft zwei bis drei Millionen Mark betragen, die finanzielle Lage erheblich. Wie in der Branche üblich, bekommt Steinel die Zahlungen erst nach Lieferung an den Kunden, wodurch lange Zeiträume finanziell überbrückt werden müssen. In den Jahren 1981 bis 1983 verlieren in der Werkzeugmaschinenfabrik viele Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Suche nach einem starken Partner

Doch der Personalabbau kann die Situation nicht grundlegend verbessern. Die finanziellen Belastungen machen es für Steinel notwendig, einen starken Partner zu finden, der die Zukunft des Unternehmens sichern kann. Mit diesem Schritt will das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten und die Fortsetzung seiner großen Tradition ermöglichen. 1986 wird die Produktion von Normalien und Werkzeugmaschinen entflochten. Im Dezember 1986 übernimmt die Steinel Normalien GmbH das traditionsreiche Werksareal Winkelstraße/Rathausstraße in Schwenningen. Hier, wo die Werkzeugmaschinenfabrik viele Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat und groß geworden ist, setzt das eigenständige Unternehmen auf die Zukunft. Auch firmenrechtlich löst sich die Normalien GmbH von ihrer Muttergesellschaft: Zum Jahresanfang 1987 übernimmt die Steinel Normalien GmbH die Mitarbeiter des Produktionsbereichs Normalien und ist nun mit 125 Beschäftigten ein vollstufiges Unternehmen von der Produktion bis zum Vertrieb.

Die Gesellschafter suchen unterdessen nach einem Käufer für die Werkzeugmaschinenfabrik. Als Retter in der Not erscheint der österreichische Industriekonzern Voest-Alpine AG in Schwenningen. Die Manager aus Linz übernehmen die Steinel Werkzeugmaschinenfabrik im Jahr 1987, denn sie wollen in ihrem bisher von der Stahlproduktion geprägten Industriekonglomerat einen eigenen Zweig für die Herstellung von Werkzeugmaschinen aufbauen. Bei den Beschäftigten ist die Stimmung gedämpft. Sie sind sich unsicher was von den Österreichern zu erwarten ist. Entsprechend sind die Gefühle bei der Betriebsversammlung im City-Kino direkt neben dem Unternehmensareal. Allen Teilnehmern ist noch der Ausspruch eines Mitarbeiters in Erinnerung, der das Engagement aus der Alpenrepublik so kommentierte: „Lieber rot-weiß-rot als tot.“ 

Dem traditionsreichen Unternehmen sind zu dem Zeitpunkt nur noch zehn sehr wechselhafte Jahre vergönnt. Im Jahr 1999 wird durch den Beschluss des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen über das Vermögen der Gesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet. Damit geht für den Maschinenbauer eine lange Geschichte zu Ende. Das Werksareal am Flugplatz mit der imposanten Produktionshalle ist aber weiter mit geschäftigem Betrieb erfüllt. Die Firma Müga der beiden ehemaligen Steinel-Mitarbeiter Peter Gary und Helmut Müller übernimmt die Firmenimmobilie der Werkzeugmaschinenfabrik. Die beiden Geschäftsführer kehren damit wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurück: Gary war bei der Steinel-Werkzeugmaschinenfabrik als Serviceleiter tätig, Müller war für den Verkauf verantwortlich. Müga hat die Servicerechte für die Werkzeugmaschinen übernommen und das sehr gut sortierte Ersatzteillager. Damit ist die Betreuung der rund 300 Steinel-Bearbeitungszentren in Deutschland durch fachkundige Servicekräfte gewährleistet. 

Die Produktionsflächen und Büros, die Müga nicht selbst nutzt, werden an Firmen und Institutionen vermietet. So ist auch nach dem Ende der Steinel-Ära im Industriegebiet Ost weiter eine innovative Atmosphäre spürbar, die wie einst beim Firmengründer Bernhard Steinel mit Ideen und Erfindergeist Neues schafft. 

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1987
1990

Programmerweiterung und Internationalisierung

Das Produktionsprogramm wird ständig erweitert, und die Qualität und Präzision werden immer mehr verfeinert. Steinel begleitet aktiv die Standardisierung im Werkzeugbau und unterstützt die Erstellung der entsprechenden Normen. 1990 werden Normteile nach DIN-Norm ins Steinel Produktprogramm integriert. Ein Jahr später wird das Programm um System- und Gasdruckfedern erweitert. Im Jahr 2006 beginnt Steinel als erster Normalienhersteller in Deutschland Gasdruckfedern für den anspruchsvollen Einsatz in Stanzwerkzeugen selbst zu entwickeln und zu produzieren. Damit verschafft sich Steinel eine einzigartige Marktstellung. Das zahlt sich für Steinel und seine Kunden aus. Denn die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit dieser Eigenentwicklung sind enorm. Die Steinel Gasdruckfedern haben eine beeindruckende Laufleistung. Diese Standzeiten sind von großem Vorteil, da die Gasdruckfedern in Schneid- und Umformwerkzeugen für sich ständig wiederholende Abläufe eingesetzt werden. Beinahe 20000 verschiedene Artikel hat Steinel heute für Werkzeug-, Vorrichtungs-, Anlagen- und Maschinenbauunternehmen im Angebot.

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Die erste Webseite eines deutschen Normalienanbieters

1997 war das Internet für viele deutsche Unternehmen noch ein geheimnisvolles Neuland. Webseiten waren eher eine Seltenheit, und die Vorstellung, dass Firmen ihre Produkte und Dienstleistungen online präsentieren könnten, war alles andere als üblich. Doch während andere noch zögerten, wagte Steinel als erster Normalienanbieter den Schritt ins digitale Zeitalter. 

Die .de-Domain wurde 1986 eingeführt, allerdings war sie bis in die frühen 90er Jahre kaum genutzt. Erst 1995 begannen sich kommerzielle Webseiten zu etablieren,1996 starteten dann bald sehr bekannte Webseiten wie T-Online.de. Im Jahr darauf kamen die ersten Angebote von Banken und Online-Shops und ab 1998 explodierte die Zahl der Webseiten auch in Deutschland, vor allem durch die zunehmende Verbreitung von DSL-Internetanschlüssen. 

Mit dem selbstbewussten Motto „50 Jahre Kompetenz in Qualität – immer einen Schritt voraus“ stellte Steinel schon in der ganz frühen Phase klar, dass Innovation und Weitblick zentrale Werte des Unternehmens sind. Die erste Webseite war, den technischen Möglichkeiten entsprechend, zwar schlicht gestaltet, doch ihr Inhalt war wegweisend. Unter der Überschrift „Unser Verkaufsprogramm für die Stanz- und Umformtechnik“ präsentierte Steinel klar strukturiert sein Angebot: Säulengestelle aus Aluminium und Stahl, Führungselemente, Schneidelemente, Federelemente, Zubehör und Maschinenelemente.

Ein Highlight der Webseite war die Rubrik „Über uns“. Hier vermittelte Steinel nicht nur Informationen sondern vor allem Vertrauen: Ein Komplettprogramm aus einer Hand, konstant hohe Spitzenqualität, ein zentrales Lager mit 25000 Produkten und ein zuverlässiger Lieferservice – all das waren Botschaften, die Steinel als starken Partner positionierten.

Eine eigene Webseite war damals so außergewöhnlich, dass die Lokalzeitung „Neckarquelle“ eine mehrteilige Serie über die wenigen Unternehmen veröffentlichte, die damals bereits im Internet präsent waren. Steinel gehörte zu dieser exklusiven Gruppe von digitalen Vorreitern in Schwenningen. 

In einer Zeit, in der nur etwa 5000 bis 10000 deutsche Webseiten existierten und das Internet vor allem von Universitäten und großen Konzernen, wie BMW und Deutsche Telekom geprägt war, setzte Steinel ein klares Zeichen: Die Zukunft ist digital. Mit einem elektronischen Produktinformationssystem auf CD-ROM, CAD-Verknüpfung und der modernen Software WorldCAT zur Produktrecherche und Bestellabwicklung bewies Steinel nicht nur Mut, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Chancen der digitalen Welt.

Heute, fast drei Jahrzehnte später, ist die Internetpräsenz von Steinel ein zentraler Baustein des Unternehmens. Doch der Pioniergeist von 1997 lebt weiter: Als eines der ersten Unternehmen, das das Potenzial des Internets erkannt hat, bleibt Steinel seiner Linie treu – immer einen Schritt voraus, immer am Puls der Zeit. Ein echtes Beispiel für visionäre Unternehmenskultur.

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1997
2008

Innovationen und Patente

Die Gewindeformeinheiten unter der Bezeichnung S-Former sind ein gutes Beispiel für das Innovationspotenzial bei Steinel.

Die von den Steinel Tüftlern entwickelten Systeme stellen einen bedeutenden Fortschritt für die Produktivität bei den Kunden dar. Denn damit werden Gewinde direkt im Stanz- und Biegeprozess hergestellt. Im Gegensatz zu den geschnittenen Gewinden wird bei den geformten Gewinden das Metallgefüge verdichtet, was zu einer höheren Festigkeit führt. Außerdem entstehen beim Formen der Gewinde keine Späne und somit keine Verschmutzung im Werkzeug. Damit werden alle erforderlichen Arbeitsgänge in einem Prozess erledigt, was zu einer hohen Produktivitätssteigerung bei maximaler Gewindequalität führt.

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Der Standort Halblech / Buching im Allgäu

Die Sesselbahnstr. 7 nahe des Märchenschlosses Neuschwanstein wird 2009 Heimat der neu gegründeten Steinel Aktivelemente GmbH. Der Standort konzentriert sich auf die Herstellung von Aktivelementen sowie auf Konstruktion und Herstellung von Werkzeugmodulen und Komplettwerkzeugen für die Stanz- und Umformtechnik und erweitert damit das Produktportfolio der Steinel Normalien AG.

Das Unternehmen legt großen Wert auf außergewöhnliche Präzision und Langlebigkeit bei den Aktivelementen. Der Herstellungsprozess umfasst neben der vollautomatischen Fertigung auch die manuelle Nachbearbeitung, etwa durch Mikrostrahlen, Polieren und PVD-Beschichten, was zu einer erhöhten Lebensdauer der Produkte führt. Ein großer Pluspunkt ist auch die garantierte schnelle Verfügbarkeit. Steinel bietet ein umfangreiches Ersatzteilmanagement, einschließlich Lagerhaltung und Vor-Ort-Konsignationslager, um seinen Kunden schnellen Zugriff auf Ersatzteile zu gewährleisten. Die CAD/CAM-Prozesse garantieren eine 100-prozentige Passgenauigkeit der Ersatzteile. 

Bei der Konstruktion und Fertigung von Werkzeugmodulen und kompletten Stanzwerkzeugen unterstützt Steinel seine Kunden mit einer fundierten Analyse der Fertigungsabläufe sowie deren Prozessoptimierung. Dadurch werden Fertigungseffizienz und Produktqualität gesteigert und Ausfallzeiten reduziert. 

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2009
2012

Die vierte Generation übernimmt das Ruder

Fast 80 Jahre nach der Unternehmensgründung durch Bernhard Steinel wird die Firma 2002 zur Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Anteile an der AG bleiben im Besitz der bisherigen Gesellschafter und werden nicht an der Börse gehandelt. Vorstand wird Wolfgang Rau, der bisher schon Geschäftsführer der GmbH war. Bernhard A. Steinel, der Sohn des Firmengründers, steht an der Spitze des dreiköpfigen Aufsichtsrats. Im Jahr 2012 gibt es eine bedeutende Änderung in der Geschäftsführung bei Steinel: Christoph Neudörffer, Urenkel des Gründers, wird Vorstand. Damit übernimmt nach gut eineinhalb Jahrzehnten unter externer Führung wieder ein Mitglied der Gründerfamilie die Unternehmensleitung. Nach dem Unternehmensgründer Bernhard Steinel und dessen Sohn Bernhard A. Steinel steigt damit die vierte Generation in das Unternehmen ein. Die dritte Steinel-Generation war nicht in der Firmenleitung tätig.

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Lösungen für den Maschinen- & Anlagenbau

Auch wenn die STEINEL Produkte in erster Linie für die Stanz- und Umformtechnik bekannt sind, eignen sich die Komponenten und Systeme bestens auch für andere Bereiche. Denn in vielen anderen Anwendungen kommt es auch auf hochpräzise Bewegungsabläufe und Langlebigkeit an. So kommen bereits seit Anfang der 2000er vermehrt kundenspezifische Lösungen auf der Basis von Führungen und komplexen Aufbauten von STEINEL zum Einsatz. Beispielhaft zu nennende Branchen sind die Messtechnik, Verpackungsmaschinen für die Pharma- und Lebensmittelindustrie sowie Montageeinrichtungen für die Batterie- und Brennstoffzellenfertigung. 

Die Liste der möglichen Anwendungen für diese kundenindividuellen Lösungen ist schier unendlich und deren Vielfalt ebenfalls. So sind zum Beispiel Kugelführungen in beliebiger Einbaulage für Längs- und Drehbewegungen für höchste Taktzahlen einsetzbar, während sich für lineare Bewegungen und hohe Seitenkräfte die Rollenführungen hervorragend eignen. Je nach Anforderung sind die STEINEL Führungen beschichtet, schmutzgeschützt, hochfest, mit integrierten Dichtungen versehen, rostfrei oder säurebeständig. Selbst elektrisch isolierte Führungen mit Keramikkugeln gehören zum Repertoire. Es gibt also kaum Grenzen, auch nicht bei Form und Abmessung der Führungen.

Bei komplexen Anwendungen oder besonderen Anforderungen bieten die Experten von STEINEL bereits bei der Konzeption, Entwicklung und Konstruktion die passenden Lösungen an. Die seit Jahrzehnten in der Stanz- und Umformtechnik gesammelten Erfahrungen und die Expertise aus den unterschiedlichsten Bereichen werden so auch in anderen Branchen zum Erfolgsfaktor. Und der Bedarf ist riesig, das Potential groß. Was mit einzelnen Projekten begann, wird so zu einem weiteren Kerngeschäft ausgebaut und damit folgt die Geschäftsführung ihrer langjährigen Strategie, die Aktivitäten auch abseits der Stanz- und Umformtechnik zu intensivieren.

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2024
2025

STEINEL feiert Jubiläum

Das Jubiläumsjahr hat sichtbar begonnen – auf dem Firmengelände ebenso wie bei der ersten internationalen Veranstaltung. Und auch in den kommenden Monaten wird STEINEL das 100-jährige Bestehen mit besonderen Messeauftritten und zahlreichen Aktionen feiern. Der Höhepunkt ist die blechexpo 2025, wo STEINEL seine Innovationskraft und Tradition unterstreicht. Das Jubiläumsjahr hält noch viele spannende Einblicke und Highlights bereit – dranbleiben lohnt sich!